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Sonntag, 05.Februar 2012
 
Aufbau Deutschland

Hinter den Wahlkampfkulissen | 09.09.2005 | druckansicht

Zwei Kreuzchen und ein Todesfall - die Wahlsterbehelfer der Parteien

Noch rätseln die Meinungsknechte wie die Wahl trotz Todesfalls ordentlich eingeurnt werden kann, da verderben in den Parteien schlimme Ideen zu ungeheuren Plänen: „Wir haben verstärkt Nachfragen von Direkt-Kandidaten“, grunzt bereits der Obermaxe eines privaten Sicherheitsdienstes.
Denn viele der Gesichtsprostituierenden in den 298 Wahlkreisen fürchten den Gang durch die eigenen Reihen. „Wer jetzt noch einen Parteitag oder ein Strategietreffen hat, ist arm dran“, unkt der Vertreter einer Volkspartei. Seinen Namen will er nicht nennen, denn seine Wahlchancen sind nur gering. „Zählkandidat“, heißt das im Parteijargon oder auch „Opferlamm“.

Schließlich kann man in den Parteizentralen rechnen. „Am Ende der Aufholjagd steht der Fangschuss, für den muss man notfalls auch in die Verlängerung“, sagt das Mitglied eines Wahlkampfteams. So haben die geheimen Parteisöldlinge die Wahlkreise mit dem größten strategischen Nachwahl-Potential längst ausfindig gemacht. „Hier zählt jede Stimme doppelt nur die unseres Kandidaten nicht“, hämen die selbsternannten Wahl-Assasinen.

Die sogenannten „BodyCounts“, also die Direktkandidaten, deren körperliche Versehrtheit über Wohl oder Wehe der Partei entscheiden könnte, sind längst in sauberen Listen erfasst. In Parteikreisen sind die Proskriptionspapiere dementsprechend begehrt wie ein sicherer Listenplatz. Doch die Partei-KSKler sind eine verschwiegene Truppe. „Die Listen kennen nicht mal der Münte oder die Angie“, heißt es. Allen ist klar: Geht es um Zehntel-Prozentpunkte, muss auch der Parteichef vom Leben zurücktreten können.

Bei den Partei-Exekutionären selbst geht es dagegen sehr familiär zu. „Wer täglich miteinander über natürlich wirkende Todesarten diskutiert, der kennt sich irgendwann“, meint ein altgedienter Unfall-Experte. Da werden beim Marmeladenbrötchen schon mal Anekdötchen über den einen oder anderen „Selbstmord“ erzählt. Auch die Chiffre-Namen der internen Wahlrevisions-Abteilungen verraten den Witz ihrer Mitglieder: „Sterbensstimmchen“ nennen sie sich, „Urnen-Gang“ oder „Amtliche Endbegleiter“.

Alle aber wissen: Sollte die eigene Partei kurz vor der Wahl hoffnungslos hinten liegen, greift Plan Doppelkreuzchen. Die gesamte Wahl muss durch Ausfall aller Direktkandidaten verhindert werden. Einer der „Amtlichen Endbegleiter“: „Dann gibt es einen Sonderparteitag, auf dem es richtig brennt.“

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