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Freitag, 03.September 2010
 
Aufbau Deutschland

Bahn-Blog | 17.05.2006 | druckansicht

Automaten-Terror

20 Minuten hat das Transportgut Aufenthalt in Gießen - und Schmacht. Die zuverlässige Versorgung Deutschlands mit Döner klappt auch hier, am Bahnhof der "Universitätsstadt" (LOL), aber er ist hier auch noch ungenießbarer als anderswo. Temperamentvolle Neger, wie wir sie von unserem lieben Nachbarland mit Atlantikzugang kennen - keine Spur. Statt Bauchladen gibt es - Automaten, an jedem Gleis und in der Bahnhofshalle gleich mehrere. Des Aufstellers Name klingt super-zuverlässig deutsch: Hofmann. (weiter)
20 Minuten hat das Transportgut Aufenthalt in Gießen - und Schmacht. Die zuverlässige Versorgung Deutschlands mit Döner klappt auch hier, am Bahnhof der "Universitätsstadt" (LOL), aber er ist hier auch noch ungenießbarer als anderswo. Temperamentvolle Neger, wie wir sie von unserem lieben Nachbarland mit Atlantikzugang kennen - keine Spur. Statt Bauchladen gibt es - Automaten, an jedem Gleis und in der Bahnhofshalle gleich mehrere. Des Aufstellers Name klingt super-zuverlässig deutsch: Hofmann. Doch Pustekuchen (den er nicht im Angebot hat). Versuch an Automat 1111 mit 1,50 EUR für eine "Mezzo-Mix". Geldeinwurf, Fachwahlnummer getippt - ein würgendes Geräusch - und das Display wünscht noch einen guten Tag. Ja, die Flasche hängt in der sie vorwärts zu treiben offenbar unfähigen Spirale. Aber: kein Frust. Ist ein Zeichen des Himmels. Scheiß Zucker, scheiß Coca-Cola-Company. Also: Danke.

Doch die Zeit will nicht verstreichen, die Gedanken kreisen um die Automaten, beflügelt von immer gierigeren Blicken. Okay: 50 Cent für ein kleines Päckchen Zwiebelring-Cracker. Habe ich mir irgendwie verdient. Automat 1113, Geldeinwurf, Produkt-Code eingetippt, die Spirale dreht sich und damit ein Päckchen Zwiebelring-Cracker nach vorne, plum...- nein: das Päckchen hängt zwischen Spiralende und Scheibe in gut 50 Grad Neigung.
Ich räuspere mich kurz, umkreise zweimal unschlüssig - und zur Tarnung meines neuerlichen Missgeschicks - den Automaten am Bahnsteig. Dann bin ich restlos herausgefordert. Der Fehdehandschuh ist geworfen, ich nehme an.
Zwei Stockwerke direkt über den Zwieblis gibt es Karamell. Klein, aber schwer, also massemäßig gut geeignet, um die darunter quer hängenden Cracker mit in die Tiefe zum Ausgabeschacht zu reißen. Ich mag zwar kein Karamell, aber die Kinder essen ja alles, was süß ist. Also: Geldeinwurf, Produktcode, Spiralspiralisierung und - bingo. Beide Produkte sind der Schwerkraft gefolgt. Neuerliches Danke.

Fast ohne Mühe und mit nur geringen Verletzungen hantiere ich beides heraus. Das Karamell-Päckchen verschwinden direkt in der Tasche, die Zwiebeldinger aber sind mein(s). Ich schlendere den Bahnsteig bis zu einer geeigneten Verzehrstelle, entledige mich meines Gepäcks und öffne die Tüte, nehme gleich drei Zwiebelringe auf einmal und - muss speien. Ich habe keinen Hochgenuss erwartet. Aber das, was ich da aus der Tüte hole, schmeckt nach Tod. Ohne Mezzo-Mix zum Spülen befördere ich nach Kräften die angemalmte Pampe auf die Schienen und suche die Packung nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Es ist unbedenklich - doch hat das Aufstanzen dieses Datums offenbar die Verpackung zerrissen. Vor einigen Monaten muss das wohl gewesen sein. Seitdem wuchsen in der Verpackung dank guter Belüftung die Pilz-Kulturen. Quietschend fährt die Rettung in den Bahnhof ein. Ich werde die Karamell-Bonbons mit einem Schüler gegen sein unverzehrtes Pausenbrot tauschen.

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