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Sonntag, 05.Februar 2012
 
Aufbau Deutschland

Aufgeklärte Kirche / Kommentar | 04.12.2009 | druckansicht

Westfälische Homos sollen in die Therapie

In der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) haben 19 Pfarrer in einem offenen Brief eine zu liberale Haltung ihres Vorgesetzten beim Thema Homosexualität kritisiert. Präses Alfred Buß dürfe "gelebte Homosexualität" nicht als naturgegeben akzeptieren. Vielmehr müsse man mit Therapien gleichgeschlechtlich Liebende auf den göttlichen Pfad zurück bringen.
 "Wir wissen um persönliche Berichte von Menschen, die durch seelsorgliche und psychologische Hilfe zu einer neuen Orientierung gefunden haben", heißt es in dem Schreiben (pdf) . Der Präses (= Leitender Geistlicher) zeigte sich ungerührt und ist an einer Diskussion mit seinem theologischen Personal offenbar nicht interessiert. An seiner statt bescheinigt die persönliche Referentin kurz und knapp den Eingang der Protestbriefe und verweist auf einen 13 Jahre alten Beschluss der Landessynode, wonach man miteinander im Gespräch bleiben solle. Aber selbst diese bescheidene Antwort ging keineswegs an alle 19 Pfarrerinnen und Pfarrer, sondern nur an einen - der den Hinweis auf das alte Papier an die anderen weitergeben solle. So sieht Kommunikation in einer evangelischen Kirche aus. Kein Wunder, dass sich da kleine gallische Dörfer bilden, die vom Oberhäuptling nicht mehr viel erwarten.

Kommentare

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05.12.09 11:08, Dr. Dieter Borrmann

Muss der Präses denn auf jede Dummheit ausführlich reagieren?

05.12.09 12:02, Andreas W.

@ Dr. Borrmann: Gerade wenn er es für eine Dummheit halten sollte, müsst Buß das mal klar sagen, statt auf altes Synodengeschwurbel zu verweisen. Und ja, ab einer gewissen Fallhöhe muss "der Präses" wenigstens seine Unterschrift unter den Brief setzen, das macht jeder Minister so. Mit der "persönlichen Referentin" abgespeist zu werden müssen die Protestler als Affront verstehen. Kommunikation war aber noch nie Stärke der Kirche, gerade nicht der westfälischen.

05.12.09 13:12, Dummheit hat keine Grenzen

Wieder mal typisch! Wann lernt die Kirche endlich die Würde der Menschen nicht anzutasten! Man muss sich als Deutscher schämen, wenn man solche Nachrichten hört.

05.12.09 14:32, Menschenrechtler

Es ist skandalös und inakzeptabel, dass religiöse Hassprediger immer wieder die Menschenwürde von Homosexuellen angreifen und sich erdreisten, antiwissenschaftliche und lebensgefährliche Pseudo-Praktiken zur "Änderung" der sexuellen Orientierung zu propagieren, die die Betroffenen - wie zahlreiche dokumentierte Fälle belegen - in schwerste Depressionen bis hin zum Selbstmord treiben können. Die Agenten des Hasses und der Diskriminierung missbrauchen also die Folgen ihres eigenen Handelns dazu, sich an den Opfern eben dieser gesellschaftlichen Diskriminierung, die ihre Homosexualität dann (ich zitiere:) "konflikthaft" erleben, einmal mehr zu vergehen. Im Kern geht es hier um nichts anderes als Auslöschungsdiskurse und -praktiken gegen homosexuelle Menschen. Nachdem die deutsche Bundesregierung im vergangenen Jahr eindeutig Stellung gegen solche menschenverachtenden Pseudo-"Therapien" bezogen und sie unmissverständlich abgelehnt hat, muss jetzt dafür gesorgt werden, dass faschistische Propaganda auf Kosten einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe ein für allemal unterbunden wird. Schluss mit der ganz alltäglichen Herabwürdigung homosexueller Menschen! Denn hier geht es nicht um irgend etwas, sondern um schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit und die menschliche Würde!

05.12.09 18:06, Timm

Es sind gerade mal 30 Pfarrer, von denen die Hälfte bereits in Rente sind und weit über 70 sind. Der Rest der evangelischen Pfarrer in Westfalen denkt anders und es gab bereits mehrere Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare nach ihrem Gang zum Standesamt. Also die paar noch andersdenkenden Pfarrer dort kann man getrost in Westfalen vergessen. Übrigens haben die Lutheraner mit Eva Brunne nun eine offen lesbische Bischöfin in Stockholm.

05.12.09 19:54, Christ

Außerdem sollte man hinzufügen, dass es von Seiten der ParrerInnen auch Widerstand gegen diese rückständige und konservative Sicht gibt - mehr als 500 VertreterInnen haben eine Stellungnahme an den Präses geschickt, in dem sie ihn in seiner Haltung unterstützen und weitere Schritte fordern! DANKE an dieser Stelle von mir für diese Initiative! Wer mehr wissen möchte - hier ein Link zu einem Bericht darüber: http://www.derwesten.de/nachrichten/wr/2009/11/27/news-142027233/detail.html

06.12.09 14:51, Heidin

Als Heide hat man ja in kirchlichen Dingen nicht unbedingt einen theologischen Blick und stürzt sich oft genug mit Empörung auf solche Aktionen altbackener, in ihren Ansichten stocksteifer und anpassungsunwilliger Glaubensfanatiker - die wird es wohl leider auch immer geben - je weniger Einsicht und Weitblick, desto mehr Fanatismus, das ist überall so auf der Welt. ABER ich möchte mich hier auch viel lieber für das Engagement der evangelischen Priester und Priesterinnen, als auch derjenigen katholischen Geistlichen bedanken, welche mit einem weltlichen Blick gesegnet sind und mit ihrer Arbeit wirklich dazu beitragen, dass der Glaube eine Hilfe und Stütze in dieser Welt ist und kein Instrument um Menschen irgendwelcher Art auszugrenzen, zu beschämen oder wegen ihres Seins herabzusetzen. Also einfach nur DANKE!!! und MACHT WEITER SO!!! Je mehr es von Euch weltlichen Gesitlichen gibt, desto höher wird das Ansehen der Kirchen wieder steigen!!

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