Dickes Ding bei FOCUS

untaetigkeitsvorwurfMan muss sich in diesem Land ja viel anhören, von allen Seiten, aber das ist doch ein dickes Ding jetzt, was der Focus uns vorwirft: Untätigkeit nämlich, Faulheit, Müßiggang. Weil wir nicht schnell genug mit sozialer Interaktion eine Lesebestätigung gesetzt haben, giftet uns diese Münchner Illustrierte an:  „Sie waren einige Zeit inaktiv.“

Aber was mag bei den Focüssen schon „inaktiv“ sein, wenn wir uns betrachten, in was ihre Aktivität besteht: in unserem Browser herumzupfuschen, eine aufgerufene Seite unlesbar zu machen und uns mitzuteilen, dass sich die Welt auch in den letzten Sekunden weiter gedreht hat.

Unsere analogen Heftchen in der Redaktion merken sich übrigens auch die zuletzt aufgeschlagenen Bilder. Wenn nicht irgendein Praktikant sie verblättert, wird dieser Service dauerhaft und ohne einen Anflug von Leistungsstolz angeboten.

Und ohne Aufdringlichkeit – mit der uns zuletzt die FAZ begegnete, welche uns nicht für faul, sondern nur für senil hält: „Falls Sie es verpasst haben: Dieser Artikel hat Sie diese Woche besonders interessiert.“

Was darf die Satire?

Frau Vockerat: »Aber man muß doch
seine Freude haben können
an der
Kunst.«
Johannes: »Man kann viel mehr haben
an der Kunst als seine Freude.«
Gerhart Hauptmann

Wenn einer bei uns einen guten politischen Witz macht, dann sitzt halb Deutschland auf dem Sofa und nimmt übel.
Satire scheint eine durchaus negative Sache. Sie sagt: »Nein!« Eine Satire, die zur Zeichnung einer Kriegsanleihe auffordert, ist keine. Die Satire beißt, lacht, pfeift und trommelt die große, bunte Landsknechtstrommel gegen alles, was stockt und träge ist. Satire ist eine durchaus positive Sache. Nirgends verrät sich der Charakterlose schneller als hier, nirgends zeigt sich fixer, was ein gewissenloser Hanswurst ist, einer, der heute den angreift und morgen den.
Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an. Die Satire eines charaktervollen Künstlers, der um des Guten willen kämpft, verdient also nicht diese bürgerliche Nichtachtung und das empörte Fauchen, mit dem hierzulande diese Kunst abgetan wird. Continue reading

Deutschland im Rührmodus

Story 1: Ein Busfahrer sagt freundlich „Hallo“ zu seinen Fahrgästen, die ins Schwimmbad wollen. Von der Lokalzeitung bis zur Bild: Rührung

Story 2: Claus Kleber erzählt unter Verweis auf die Investigativjournalisten Krautreporter Story 1. Dabei erkennen noch investigativere Investigativjournalisten einen unprofessionellen Anflug von Rührung bei Kleber. Auch die verschnarchtesten Medien sind nun völlig aus dem Häuschen. Die Weltpresse feiert in 183 Sprachen: „So süß sind die Krauts wirklich.“

Story 3: Das Handyvideo eines reichen Wirtschaftsflüchtlings aus dem Bus taucht auf. Kein Zweifel: der Busfahrer war Jan Böhmermann. Für die BVG-Berliner ist damit die Welt wieder in Ordnung, für den ganzen Rest Deutschlands aber bricht sie zusammen: wo wir doch gerade mal von uns selbst gerührt waren.

Story 4: Deutschland schaltet vom Rühr- in den Betroffenheitsmodus als sicherster Betriebsart. Für eine Woche ist das einzig zulässige Profilbild bei Twitter und Facebook: „Je suis réfugié“.

Story 5: Das NDR-Magazin Panorama filmt mit versteckter Kamera, wie eine uralte Deutsche ihren Sitz in der U-Bahn für eine hochschwangere Afrikanerin frei macht. Nach der Ausstrahlung des Beitrags behauptet ein Anstandszersetzer, die Hochschwangere sei kein Flüchtling, sondern Ur-Deutsche, geboren in Onkel Toms Hütte. Es droht der nationale Emotionsnotstand. Für den Abend wird daher in den Tagesthemen Anja Reschke zum Volk sprechen.

Update 14. August, 18 Uhr: der Münchner Merkur hat unsere Recherche geklaut und verfremdet wiedergegeben. Böhmermann soll auf Facebook AfD-Fan sein.

Reiswerfen für die Armen

free-rice
Sie wollten schon immer mal eigenhändig ein Negerkind verhungern lassen? Dank Web 2.0 ist das nun möglich. Machen Sie einfach nicht mit beim lustigen Überlebens-Quiz des „Welternährungsprogramms“( WFP) der Vereinten Nationen. Mit jeder Quizfrage, die Sie fettgrinsend verweigern, bekommen die Hungerhaken 10 Reiskörner weniger. Das klingt nicht viel, – aber bei genügend deutscher Ignoranz kommen da schon ein paar Sack zusammen.
„Geile Idee des WFP“, meint Fred Steinhauer, Verarschungsexperte beim Helgoländer Vorboten, „bislang mussten die reichen Länder sich Tag um Tag irgendwie rausreden, warum sie für jeden Scheiß Geld haben, nur nicht für die Hungernden. Doch jetzt liegt der Ball im Spielfeld der Bürger. Und dass die den Arsch nicht hochkriegen, darauf kann sich die Politik verlassen.“
Dass hinter dem närrischen Reiswerfen ausgerechnet die Spaghettifresser vom Stinkstiefel Europas stecken, wundert Steinhauer nicht: „Die Italiener sind ja Fachleute für zynische Spaßwahlen, bei denen ist das Projekt in besten Händen.“

Der geheime Plan hinter den Todesbussen

vgo-bushaltestelleSehr geehrte VGO-Presseleute,
seit Jahren grübeln und recherchieren wir, was Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) dazu treibt, zum Transport von Menschen Busse zu benutzen, die bis auf das Zigarettenfenster beim Fahrer hermetisch von der Außenwelt abgeschottet sind. Denn dass die darin verbauten popeligen „Klimaanlagen“ es nicht schaffen, mit Ölverbrennung die von der Sonne durch die geschlossenen Fenster geworfene Wärme wieder ins Freie zu befördern, ist nicht gerade Geheimwissen.

Was also treibt Sie, diese zum Lebendtransport völlig ungeeigneten Behältnisse zu nutzen? Die Hersteller jedenfalls versichern, die Idiotie, kein Fenster mehr öffnen zu können, sei eine Vorgabe der Kunden – also von Ihnen.

Früher haben wir mal gemutmaßt, es sei derselbe Spleen wie bei der Bahn und Sie hielten sich als triviale Schülerschubse gerne für eine straßengebundene Airline, von der Sie sich daher zunächst einmal die geschlossenen Fenster abgeguckt haben, einen kleinen Unterschied überfahrend: Die natürliche Umgebungstemperatur von Flugzeugen im Hochsommer beträgt 50 Grad unter dem Gefrierpunkt – die von deutschen Bussen liegt 80 Grad höher. So ein Spleen sollte sich aber irgendwann auswachsen. Continue reading

Mächtig Holz nicht nur vor der Hütte

„Wikipedia ist sexistisch, kritisiert Hannes Stein. Als Indiz gilt ihm die fast vollständige Liste weiblicher Porno-Stars, zu Dichterinnen und Erfinderinnen liefert das Online-Lexikon oft nur rudimentäre Erkenntnisse.“

Fasst turi2 in seinem Newsletter einen WeilgeradesonstnixpassiertaufderWELT-Artikel zusammen.

Dabei steht doch im Original-Lead schon die ganze Botschaft:

„Weil bei Wikipedia fast nur Männer Einträge schreiben.“

Den Rest kann sich dann jeder selbst zusammendichten, dazu braucht es keinen Stein des Anstoßes: Tastaturen sind sexistisch, Bildschirme sind sexistisch, die gesamte Elektrizität ist frauenfeindlich und Bildung natürlich: kolossal patriarchal.

Einen nicht sexistischen, sondern nur sexualdimorphistischen Grund, auf den der gendermaingestreamte Feministenmann nicht kommt, liefert Anti-Porno-Stein allerdings noch: Frauen sind einfach zu doof für Wikipedias Aktivmodus. Oder in Steinschen Worten:

“ Frauen haben nicht genug Chuzpe. Sie erliegen dem Irrtum, nur Experten dürften einen Eintrag bei Wikipedia erstellen oder diesen verbessern.“

Lehrer müssen Zähne putzen

Ein neuer Dresscode für Würzburger Lehrkörper erregt

Was aussah wie eine Petiküre, entwickelt sich derzeit zu einem Regulierungseklat: Das Deutschtumgymnasium in Würzburg hatte seinem Lehrpersonal einen dezenten Dresscode verordnet, nachdem sich die autonome Lehrerzeitung „concrete“ wiederholt über „Klamotten aus der Altkleidersammlung“ und „einen Geruch wie im Salatorium“ mokiert hatte. Jacketts aus braunem Cord sind seit dem 1. Mai in der Eliteschule am Main nicht mehr gestattet. Herrenhosen müssen spätestens nach einer Dienstwoche Tragezeit gewaschen werden („nicht unter 50 Grad, Mischwäsche, 60 Minuten, unbedingt mit einem Weichspüler der Gattung ‚Frühlingsduft'“), Brillen sind vor Beginn jeder Unterrichtseinheit mit einem Feuchttuch von Fingerdapsen zu reinigen. Dem weiblichen Teil des Lehrkörpers ist das Auftagen von Lippenstift und Wimperntusche untersagt, Ohrringe dürfen nur getragen werden, wenn sie dezent und nicht ringförmig am Lobulus auriculae befestigt sind.

Obwohl der neue Dresscode unter Beteiligung der gesamten Schulleitung sowie des Hausmeisters als Unratsexpertem zustande gekommen ist, stößt er nicht im gesamten Deutschtumgymnasium auf Begeisterung.

„Dass Lehrer über 45 nun vor Beginn ihrer ersten Unterrichtsstunde eine Mundspülung benutzen müssen, mag zwar nett gemeint sein, schwächt aber meine Abwehrhaltung, wenn er sich über mich und mein Hausaufgabenheft beugt“, erklärt erschreckend wortgewandt und unjugendlich die 15-jährige Schülerin Ano D. gegenüber dem Helgoländer Vorboten (HV).

Die meisten Lehrer der Deutschdingsschule begrüßen indes den neuen Dresscode oder haben sich mit ihm zumindest arrangiert, wie eine Blitzumfrage des Vorboten in der Bocksbeutelecke des Lehrerzimmers ergab. „Ich habe das Dresscode-Plakat an den Kleiderschrank geklebt und bislang hat meine Frau nicht gemeckert“, sagt Mathelehrer Meinhard M. Und Geschichtscholeriker Paul Joseph ergänzt: „Meinen Cord können sie färben, meine Gesinnung nicht.“

Zur aktuellen Entwicklung siehe auch: Partisanenfunk zum Würzburger Dresscode

Dresscode-Plakat am Deutschhaus-Gymnasium Würzburg. Quelle: http://www.deutschhaus.de/schueler/dresscode/

Lug und Trug des Studentenpacks

wichsvorlage-studentenRedaktionsschwanz vorne: Der Evolutionsbiologe Axel Meyer hat einen tollen Text über Studenten an seiner Universität geschrieben. Also einen fast tollen Text. Er ist halt Zoologe. Um seiner völlig berechtigten Kritik ein wenig auf die sprachlichen Sprünge zu helfen, hier unser – völlig altruistisch formulierter – Support-Text.

Ich habe nichts gegen Studenten, wirklich nicht. Ich kann akzeptieren, dass einige von ihnen meine Fische füttern (mit denen ich arbeite) oder auch mal das Altpapier entsorgen. Aber müssen an meiner Universität so viele von ihnen rumlaufen, rumstehen, ja regelrecht rumhängen?

Ich habe auch nichts gegen Ausländer, aber warum sie in Konstanz studieren dürfen, um dann später als ausländische Konkurrenz einheimische Arbeitsplätze zu gefährden, bleibt selbst mir Elite-Professor, der ich in Miami, Cambridge und Berkeley studiert habe, ein Geheimnis.

Was bringen Studenten – außer Dreck und Ärger und irgendwann Kinder, also weitere Studenten? Machen sich Studenten irgendwie nützlich für die Gesellschaft? Waschen sie mein Auto oder helfen sie, Buntbarsche auseinanderzuklamüsern? Nichts tun sie, – und dafür streichen sie auch noch Bafög ein. Geld aus meiner Tasche!

Wozu bekommt dieses Pack überhaupt Bafög, dieses Taschenraubgeld? Doch wohl, um es in die Mensa zu bringen (sonst wäre das Mittagessen für mich dort ja noch teurer!), um meine Lehrbücher zu kaufen (oder halt meine Kolumnen, es muss nicht jeder ein Lehrbuch schreiben) und um vom Rest vielleicht mal ein paar Wasserpflanzen für meine öd-leeren Aquarien zu besorgen (in denen ich Fische halte, mit denen ich arbeite).

Ich möchte nicht falsch verstanden werden (was schnell passieren kann, wenn ich in diesem komischen Land, das Englisch nur radebricht, zur Artikulation auf Deutsch genötigt bin, einem unterentwickelten, armseligen und von evolutionärem Misserfolg gezeichnetem Geblubber), aber man wird ja wohl noch fragen dürfen: wozu braucht im 21. Jahrhundert eine Hochschule Hochschüler!?

Und wenn ein Elite-Professor wie ich sich dann schon bereit erklärt, Semester um Semester geistige Perlen vor gestrige Säue zu werfen, dann zeigt sich dieses Pack auch noch bis ins letzte Glied: undankbar.

Da bereitet man mit Akribie eine Klausur vor, um die Spreu vom Weizen zu trennen – ach was: um die ganze Missfrucht den Schweinen zu verfüttern, und was macht dieses Studentenpack? Es betrügt! Betrügt in der Klausur!

Und wer dazu noch zu doof ist, der betrügt schlicht vor der Klausur, meldet sich einfach krank, und für das notwendige ärztliche Attest ist einiges vom Pack erbärmlich genug, sich einfach in die Hose zu koten und dies als Ergebnis kolossaler, am besten noch vom Lehrkörper verursachter Prüfungspanik zu verkaufen. Es ist ein einziges Lügen und Betrügen!

Bin ich, bittschön, dafür Zoologieprofessor geworden, dass sich mein Studentenpack genau so verhält wie ein Kuckuck, wie Hautflügler, wie Drosera und Dionaea, wie Caligo und Konsorten und das ganze primitive Primatenzeug, die sich allesamt mit Lug und Trug durch die Evolutionsgeschichte zigeunert haben? Ja wo die gesamte Biologie ein einziger Wettbewerb im Bescheißen ist, von Gottes Urknall bis zur Vaterschaftsverschleierung der Frau?

Werden ich und meine Buntbarsche dafür vom deutschen Steuerzahler gepudert, dass sich Studentenpack verhält wie – wie Affen?

Redaktionsschwanz hinten: auch energisch professoral vorgetragen zum Hören

Onkel Zapp wird alt

zippert-koehler-schroederIn seiner Kolumne „Zippert zappt“, die bitte zunächst vollständig zu lesen ist, schrieb Zapp-Zippert am 1. Dezember 2009 u.a.:

Gestern wurde Kristina Köhler offiziell als Familienministerin vereidigt. Oppositionelle Politiker kritisierten, es sei höchst bedenklich, einer so jungen und unerfahrenen Frau ein wichtiges Regierungsamt zu überlassen. […] Bundeskanzlerin Merkel versicherte: „Wir haben an alles gedacht. Bei Auftritten nach 18.00 Uhr sind immer die Eltern von Kristina Köhler dabei, und an nicht jugendfreien Debatten darf sie nicht teilnehmen.“ Für die SPD besteht aber immer noch erheblicher Klärungsbedarf. Sie will wissen, ob Kristina Köhler neben Klavierunterricht, Reitstunden und der Foto-AG noch genug Zeit für die Ministerarbeit bleibt.

Der Helgoländer Vorbote antwortete Herrn Zippzapp am selben Tag:

Es ist verständlich, dass Sie mit Ihren 52 Buckellenzen wehmütig an die besseren Tage zurückdenken , verehrter Kollege Hans Zippert. Aber Sie verklären da etwas, wenn Sie meinen, mit 32 Jahren gab es bei Ihnen noch Pausenhofliebe, heimliche Zigaretten und Wettwichsen. Wollen wir zumindest zu Ihren Gunsten annehmen.
Bei genauerer Betrachtung haben Sie mit 32 Jahren ganz wie Dr. Kristina Köhler ein Familienministerium geleitet. Das Ihre bot sich vorzugsweise als Ersatzpartnerschaft für auf dem freien Markt der Liebe eher glücklos agierende Pausenhofintellektuelle an. Es ist Ihnen als Kolumnist von Gnaden des Axel Springer Verlages möglicherweise entfallen, aber Sie leiteten damals das Haus „Titanic“ , welches sich heute in den Händen eines weit eher denn Kristina Köhler mit einem Schuljungen verwechselbaren Leo Fischer  (schon 28? ) befindet.

Zweifellos ist Kristina Köhler eine „Zippert zappt“- Kolumne wert. Vielleicht sollten Sie auch in Ihrem Alter dafür aber nochmal selbst Reitstunden nehmen. Die Hüfte wirkt ein wenig immobil.