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Heimatfrieden | 30.07.2006 | 
Presserat soll Terror-Berichterstattung stoppen
Wegen Interviews mit Gewalttätern hat das medienkritische Magazin
"Helgoländer Vorbote" gegen mehrere Tages- und Wochenzeitungen
Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht. So verstoße ein
Interview mit Schimon Peres in der Welt klar gegen Ziffer 11 des
Pressecodex, in dessen Richtlinie es heißt: "Bei der Berichterstattung
über Gewalttaten, auch angedrohte, wägt die Presse das
Informationsinteresse der Öffentlichkeit gegen die Interessen der Opfer
und Betroffenen sorgsam ab. (...) Interviews mit Tätern während des
Tatgeschehens darf es nicht geben."
"Es ist dabei egal, ob sich Politiker durch Tun, Unterlassen oder einfach nur mit einem gefährlichen Geisteszustand zum Täter machen", so der Helgoländer Vorbote. Mit dieser Einschätzung sei auch noch nichts über die Strafbarkeit der Handlung im gegenwärigen Nahost-Krieg gesagt: "Wer von seiner Armee Kinder totbomben lässt, ist zweifelsfrei Gewalttäter - ob nun mit Persilschein oder nicht; selbstverständlich werden wir niemandem schon vor seiner Verurteilung eine entsprechende Etikette anhängen wie etwa Mörder oder Kriegsverbrecher, Schurke oder Judäo-Nazi."
Die Friedensaktivisten vom Helgoländer Vorboten wollen auch gegen Interviews mit dem israelischen Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, und mit Außenministerin Tzipi Livi vorgehen. "Bevor deutsche Redaktionen überlegen, wie sehr sie die Kriegsopfer retuschieren müssen, damit sie dem Abo- oder Gebührenzahler zugemutet werden können, sollten sie den Tätern das Podium nehmen."
Das explizite Verbot von Täter-Interviews hatte der deutsche Presserat nach dem Gladbecker Geiseldrama 1988 in seine Richtlinien aufgenommen. Damals hatten Reporter direkt mit den Entführern gesprochen und dies publiziert.
Derzeit veranstalten Medien weltweit ein großes Spektakel um den Krieg zwischen Israel und dem Libanon, bei dem zur Befreiung zweier gefangener israelischer Soldaten ziemlich viel Porzellan zerschlagen wird - häufig auf dem Kopf von Zivilisten.
Kommentare
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