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Gastbeitrag PeeWee | 27.08.2005 | druckansicht

Reiseführer durch Bressinien

Bressinien ist ein kleines, fast unbekanntes Land, das zwischen Irak und Iran liegt und dem Fachkundigen durch seine vielleicht einmaligen Kulturstätten bekannt sein dürfte. Leider erscheint Bressinien auf den wenigsten Landkarten, da es dem Iran zugerechnet wird, oder dem Irak, in manchen Fällen aber auch Israel oder den USA – je nach der aktuellen politischen Situation.
Wir sind jedoch der Meinung – ohne uns damit einer separatistischen Grundhaltung anschließen zu wollen –, dass es dieses kleine Land verdient, als eigenständiger Staat anerkannt und behandelt zu werden – zumindest, was den Tourismus angeht.

Geschichte
Seit einem Putschversuch im Jahre 1987 herrscht in Bressinien nicht mehr das tyrannische Regime des Kabdur al jakta Est. Der liebenswürdige Diktator ließ etwa die Hälfte der Bevölkerung foltern, um herauszufinden, woher sie den zollfreien Schnaps bezog. Der Bau eines internationalen Flughafens löste dann dieses Problem. Als der Diktator kurz darauf das Fehlen von natürlichen Eisvorkommen in seinem kleinen Wüstenstaat bemängelte, setzte man ihn kurzentschlossen ab.

Heute herrscht in Bressinien Demokratie, morgen vielleicht Tyrannei, übermorgen Kommunismus, nächste Woche Monarchie – niemand weiß es mit Sicherheit zu sagen.

Der Begriff Zwergnation ist für Bressinien durchaus geeignet, da die Bevölkerung eine Durchschnittsgröße von 1.58 m aufweist, nach Folterung sogar etwas weniger. Dennoch lohnt sich eine Reise in dieses Land, über das Ghandi einst sagte: „Nie gehört!“ und das sogar beinahe von Kolumbus entdeckt worden wäre, dem jedoch nach seiner Irrfahrt nach Amerika weitere Experimente abhold waren.

Kabir, die Hauptstadt
Wenn wir die Passkontrolle auf dem Flughafen in Kabir, der Hauptstadt Bressiniens passiert haben, schlägt uns die schwüle Luft entgegen, die nur durch den Smog erträglich wird. (Im Winter würde uns der Smog entgegenschlagen, der nur durch die kühle Luft erträglich wird, was zeigt, daß Bressinien zu jeder Jahreszeit eine Reise wert ist – allerdings nicht für Asthmatiker.)

Der Kleinbus ohne Klimaanlage, der für die engen Gassen und die überfüllten Straßen Bressiniens wie gebaut zu sein scheint, obwohl er eindeutig in Polen geklaut wurde, kämpft sich heldenhaft durch den Verkehr und die Straßensperren der Des tru Tivika, der hiesigen Polizei- und Terrorbehörde. Da Bressinien von jeher ein armes Land war, das sich keinen eigenen Terrorismus leisten konnte und sich die Vertreter der Religionen weigerten, selbst dafür zu sorgen, mußte auch diese Aufgabe von den Gesetzeshütern übernommen werden. Streiks der Polizei wirken sich deshalb positiv auf den Rückgang von Attentaten aus.

Nachdem wir die Schnellstraße vom Flugplatz in die Innenstadt erreicht haben, an der noch fleißig gebaut wird, eröffnet sich zu unserer Linken ein malerischer Ausblick auf das zerbombte Landesmuseum, in dem u.a. die verbrannte Leiche des ehemaligen Staatssekretärs Ali Ben Mikele, sowie die seiner drei Frauen, zu besichtigen ist. Das Museum ‚Alt Ze Ug’, das im Barackstil erbaut wurde, hat Dienstags und Mittwochs geschlossen. Sonntagvormittags werden dort kleinere Volkstänze und Hinrichtungen abgehalten, denen Sie gegen einen geringen Eintrittspreis beiwohnen können. Überdies bietet das Museum eine Auswahl vieler historischer Folterinstrumente, die noch immer benutzt werden (Vorführungen gegen Aufpreis).

Setzen wir unseren Weg ins Stadtzentrum fort, entdecken wir sofort die Moschee Jaf Arak Bat. Sie hebt sich schon auf den ersten Blick von allen anderen Moscheen der Stadt ab, da aus ihrem Innern Rauchfahnen wehen. Grund dafür ist ein lange währender Konflikt, dank dem die Arimiten, die religiöse Minderheit Bressiniens, die Moschee ständig attackieren. (Von einem Besuch der Moschee während eines Bombenangriffes ist abzuraten – auch wenn einige Touristenführer behaupten, dies sei die einzige Möglichkeit, die bressinische Lebensweise wirklich lebensecht kennenzulernen!) Neben den wundervollen Fresken, die jetzt im Louvre hängen, den phantastischen Wandgemälden, die im Museum of Modern Art in New York zu bewundern sind und der einmaligen Statur, die die Dreieinigkeit (Gott, seinen Sohn und den Heiligen Geist) lebensecht darstellt und welche nun zur privaten Sammlung eines anonym bleiben möchtenden Kunstliebhabers gehört, bietet die Moschee kaum interessante Kunstgegenstände.

Nun biegt der Bus in eine Seitenstraße ein, die uns zu unserem Hotel führt. Biegt der Bus nicht ab, kann es mehrere Gründe dafür geben: Entweder, der Busfahrer kennt den Weg nicht, der Weg ist wegen eines geplanten oder ausgeführten Attentats gerade gesperrt, oder aber der Bus wird entführt. Ganz gleich, was der Grund ist, halten Sie auf jeden Fall Ihre Pässe oder etwas Kleingeld für Bestechungen bereit.

Hotels
Falls Sie sich nach der Ankunft ein Hotel mit Klimaanlage, Hausbar und Satellitenfernsehen erwartet haben, werden Sie sicher enttäuscht sein, denn die Hotels in Bressinien eröffnen Ihnen die einmalige Möglichkeit, direkt mit der Landesbevölkerung, ihren Sitten und Traditionen in Kontakt zu geraten. Wundern Sie sich deshalb nicht, wenn mitten in der Nacht maskierte Fremde in Ihr Zimmer stürmen, Sie verschleppen und Lösegeld für Sie fordern. Geiselnahme und Lösegeldforderungen sind alte Traditionen in Bressinien und wer in Bressinien nicht entführt wurde, der hat das Land nicht richtig kennengelernt.

Das Lösegeld
Bei Pauschaltouristen ist das Lösegeld bereits in der Pauschale für Hotel und Logis enthalten – sollten Sie jedoch Rucksacktourist sein, empfiehlt es sich, die Botschaft zu kontaktieren oder stets eine Menge Bargeld dabei zu haben!

Die Moscheen
Neben der Jaf Arak Bat gibt es in Bressinien noch drei weitere Moscheen:

Die Moschee U Su Pa Tor, die einst dem Staatsführer Kabdur al jakta Est geweiht wurde, besticht durch ihre stilechte Formschönheit und durch die draußen vor der Mauer aufgehängten Leichen einiger Regimegegner. (An heißen Tagen ist es aufgrund des starken Geruchs nach faulendem Fleisch nicht zu empfehlen, in ihre Nähe zu kommen!)

Bet En heißt die Moschee im Süden der Stadt, die nach Originalplänen von Gott selbst gebaut worden sein soll. Hier fühlt man sich Gott nahe, so sagte einmal Hu’ssein, der Heilige Bressiniens und ließ sich fortan verehren. Er war der Vorfahre von Hu’ssain dem Kinderschänder, der später nach Belgien auswanderte und sich Ra’far du Trous nannte.

Wer sich für religiöse Fundstücke aus aller Welt und allen Religionen interessiert, sollte einen Blick in die Moschee Mu E Zin werfen, in der zum Beispiel Splitter vom Kreuze Jesu, sowie Nägel und Hämmer desselben zu finden sind. Gegen Aufpreis erzählt Ihnen ein Führer, wie man ein Kreuz baut und zeigt an einem einfachen Beispiel, wie lange es dauert, bis jemand auf diese Weise stirbt. (Bitte nicht zu Hause nachmachen!) Wenn Sie die Moschee wieder verlassen, haben Sie die Möglichkeit, einige kleine Stücke für Sammler, darunter auch eine Sandale Hu’sseins, käuflich – und gegen geringen Aufpreis auch mit Fuß! – zu erwerben.

Religion
Die Bewohner Bressiniens sind in zwei religiöse Lager aufgeteilt: Hu’sseinitien und Aramiten. Zurück geht diese Trennung auf ein Ereignis vor vielen, vielen Jahren, als Kebir Bak Shish beim Kartenspielen mit einem Arimiten sein letztes Hemd verlor. Nachdem er gedemütigt und nackt nach Hause gelaufen war, ließ er am nächsten Tag verkünden, alle Arimiten seien Falschspieler. Da die Kultur Bressiniens seit der Besetzung durch die Heerscharen von Ta’rot im 13. Jahrhundert v. Chr. auf dem Kartenspiel begründet war, wurden aus Nachbarn und Ehepaaren über Nacht erbitterte Feinde. Soziologen halten ein solches Verhalten von Menschen heutzutage für völlig unmöglich. Seit jener Zeit wird die religiöse Minderheit der Arimiten gejagt und - wenn sie erwischt wird - grausam gefoltert.

Die Folter
Ein sehr beliebter Zeitvertreib in Bressinien ist die Folter. Von den Lehren der alten, also den traditionellen Foltermethoden wie Hautabziehen, Verbrennen und der Anwendung des Rades, bis hin zu modernen Methoden wie Castingsendungen, Dauerunterhaltungsgewinnshows und Handyklingeltonwerbung ist jede nur erdenkliche Foltermethode vertreten. Lediglich das Einsperren von mehreren intelligenzmäßig Benachteiligten in eine kleine Hütte und die Ausstrahlung ihrer Gespräche wurde von den Folterknechten Bressiniens als zu grausam empfunden und bei Todesstrafe verboten. Da die Bressinier ein sehr offenes Volk sind, läßt man Sie auch gerne an der Folterung teilnehmen. Und es sei nicht zuviel versprochen, wenn wir sagen: Für viele westliche Touristen ist das der letzte Schrei!

Unser Fazit: Besuchen Sie Bressinien. Wagen Sie den Schritt vom Massentourismus zum Kleingruppenterrorismus!


PeeWee alias Martin Cordemann (Jahrgang 71) arbeitet seit 1998 als freier Werbetexter und Comicautor. Daneben ist er kreativ als Theaterregisseur, Hörspielautor und Filmemacher In Eigenregie. Mehr Informationen zu seinem aktuellen Kabarettprogramm „Halb Fiction“ gibt es hier .

Kommentare

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23.12.06 22:31, Julie

HINREIßEND :D

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