Titanic ist eine Satirezeitschrift. Sie wendet sich ausschließlich an diejenigen, die Lust auf sie haben und dafür dreisechzig bis vier Euro zahlen. Man kann keinem Pazifisten verbieten, in den Boxring zu steigen oder dem Gematsche darin auch nur zuzusehen - aber er soll sich dann bitte nicht beschweren, schon gar nicht unter Verweis auf den Kokolores einer Verletzung seiner "Persönlichkeitsrechte".
Eine Satire in der Titanic kann unmöglich jemanden verletzen, der nicht freiwillig zu diesem Blatt greift - es sei denn, die Medien stoßen ihn darauf. Aber selbst dann ist jede Art der Betroffenheit eine Selbst- und keine Fremdbeschädigung. Für sein Beleidigtsein, Gekränkt- und Empörtsein ist ausschließlich der Rezipient - von Juristen gerne Äußerungsempfänger genannt - verantwortlich. Alles andere sind kranke Konstrukte, die auch den Ehrenmord rechtfertigen, und die seit der Vertreibung aus dem Paradies praktisch für jedes nicht Beute machende Gewaltverbrechen herhalten. Möglich, dass dies zum Homo sapiens gehört, gleichwohl bleibt es so irrig wie der Blinddarm, ein noch nicht ausevolutionierter mistake.
Satire ist immer nur für die Konsumenten gedacht, und es bleibt ihnen überlassen, damit etwas in ihrem Hirn zu machen. Die klassische Politikerschelte im Kabarett gilt ja niemals den Politikern - die sind nicht anwesend und gegen jede Kritik immun -, sondern stets dem dummdämlichen Publikum, das sich von diesen Politikern Tag um Tag verschaukeln lässt (so liegt Wagner
mit seiner Post 
mal wieder völlig daneben). Wenn Thomas Gsella den Hype nun zur
Mediensatire 
erklärt, hat er recht, aber für diesen Teil ist er eben nicht mehr verantwortlicher Redakteur. Die Maddie-Satire konnte nur den Titanic-Lesern gelten, und wer keiner satirischen Prügel mehr bedurfte, hat die Werbeseite überblättert, war nicht Zielgruppe. Ihr aber schreit die Anzeige entgegen: Du armseliger linksintellektueller Boulevardspanner, hast du immer noch nicht genug von diesem Kriminalfall mit Kind, zu dessen Aufklärung du niemals etwas beitragen können wirst und bei dem du nur noch auf
die Leiche 
wartest.
Martin Sonneborn 
und die Titanic haben das Bohei nicht verdient. Die Doppelseite ist gutes Handwerk, nichts, womit sich die Kulturkritik befassen könnte, nichts, was in irgend einer Form über die Titanic-Leserschaft hinaus kommuniziert werden müsste. Selbst als freundlicher Support, wie den Rummel Sonneborn verkaufen möchte, taugt die Skandalisierung nicht. Die Titanic hatte wahrlich schon geiler Aktionen - Leser gebracht hat ihr das nicht, wie auch. Sonneborn freut sich über die Aufmerksamkeit, die seiner
Langeweile 
zuteil wird: wieder Interviews, wieder Reporter, wieder Fotos von ihm. Der Rest der Satireschaffenden aber kann sich wieder mal nur an die Birne packen ob des medialen Unverstandes. Dabei hätte doch - wenn schon, denn schon - wenigstens
Spiegel-Online 
die Chance gehabt, für sich und seine Leser zu klären, was Satire soll und darf und kann. Schließlich ist Martin Sonneborn für die dortige Satire-Rubrik Spam verantwortlich. Hätte der Spiegel den Beitrag durchgehen lassen oder zensiert, wie gleich zum Start die im afghanischen Berlinwind wehenden
Bundeswehrpimmel 
?