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Kommentar | 02.11.2007 | druckansicht

Titanic und die Zeugen der Aufregung

Die Titanic hält es für einen PR-Erfolg, doch es ist nur Unterhaltung, Medienfutter, eine Themenverbrennung ohne Rücksicht auf Rohstoffe und Umweltschäden: der angebliche Maddie-Skandal. Es trifft die gleiche Kritik wie bei anderen Zerrbildern: Solange die Medien die Darstellungsform Satire außerhalb von inszenierten Skandalen ignorieren, haben sie auch die selbst geschaffene Empörungen zu ignorieren. Satire ist eben weit mehr als eine Mohamed-Karikatur, der millionste Hitler-Vergleich und eine Maddie-Schokolade (obwohl sie alle natürlich ihre Berechtigung haben).
Titanic ist eine Satirezeitschrift. Sie wendet sich ausschließlich an diejenigen, die Lust auf sie haben und dafür dreisechzig bis vier Euro zahlen. Man kann keinem Pazifisten verbieten, in den Boxring zu steigen oder dem Gematsche darin auch nur zuzusehen - aber er soll sich dann bitte nicht beschweren, schon gar nicht unter Verweis auf den Kokolores einer Verletzung seiner "Persönlichkeitsrechte".

Eine Satire in der Titanic kann unmöglich jemanden verletzen, der nicht freiwillig zu diesem Blatt greift - es sei denn, die Medien stoßen ihn darauf. Aber selbst dann ist jede Art der Betroffenheit eine Selbst- und keine Fremdbeschädigung. Für sein Beleidigtsein, Gekränkt- und Empörtsein ist ausschließlich der Rezipient - von Juristen gerne Äußerungsempfänger genannt - verantwortlich. Alles andere sind kranke Konstrukte, die auch den Ehrenmord rechtfertigen, und die seit der Vertreibung aus dem Paradies praktisch für jedes nicht Beute machende Gewaltverbrechen herhalten. Möglich, dass dies zum Homo sapiens gehört, gleichwohl bleibt es so irrig wie der Blinddarm, ein noch nicht ausevolutionierter mistake.

Satire ist immer nur für die Konsumenten gedacht, und es bleibt ihnen überlassen, damit etwas in ihrem Hirn zu machen. Die klassische Politikerschelte im Kabarett gilt ja niemals den Politikern - die sind nicht anwesend und gegen jede Kritik immun -, sondern stets dem dummdämlichen Publikum, das sich von diesen Politikern Tag um Tag verschaukeln lässt (so liegt Wagner mit seiner Post mal wieder völlig daneben). Wenn Thomas Gsella den Hype nun zur Mediensatire erklärt, hat er recht, aber für diesen Teil ist er eben nicht mehr verantwortlicher Redakteur. Die Maddie-Satire konnte nur den Titanic-Lesern gelten, und wer keiner satirischen Prügel mehr bedurfte, hat die Werbeseite überblättert, war nicht Zielgruppe. Ihr aber schreit die Anzeige entgegen: Du armseliger linksintellektueller Boulevardspanner, hast du immer noch nicht genug von diesem Kriminalfall mit Kind, zu dessen Aufklärung du niemals etwas beitragen können wirst und bei dem du nur noch auf die Leiche wartest.

Martin Sonneborn und die Titanic haben das Bohei nicht verdient. Die Doppelseite ist gutes Handwerk, nichts, womit sich die Kulturkritik befassen könnte, nichts, was in irgend einer Form über die Titanic-Leserschaft hinaus kommuniziert werden müsste. Selbst als freundlicher Support, wie den Rummel Sonneborn verkaufen möchte, taugt die Skandalisierung nicht. Die Titanic hatte wahrlich schon geiler Aktionen - Leser gebracht hat ihr das nicht, wie auch. Sonneborn freut sich über die Aufmerksamkeit, die seiner Langeweile zuteil wird: wieder Interviews, wieder Reporter, wieder Fotos von ihm. Der Rest der Satireschaffenden aber kann sich wieder mal nur an die Birne packen ob des medialen Unverstandes. Dabei hätte doch - wenn schon, denn schon - wenigstens Spiegel-Online die Chance gehabt, für sich und seine Leser zu klären, was Satire soll und darf und kann. Schließlich ist Martin Sonneborn für die dortige Satire-Rubrik Spam verantwortlich. Hätte der Spiegel den Beitrag durchgehen lassen oder zensiert, wie gleich zum Start die im afghanischen Berlinwind wehenden Bundeswehrpimmel ?

Kommentare

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04.11.07 02:31, Carlo

Eine Fundgrube für Satiriker: http://islaminstitut.de/Fatawa-Archiv.39.0.html Fatwa über ungültiges Beten (25. Juni 2006, 12.02 Uhr) Esel, schwarze Hunde und Frauen dürfen sich nicht vor dem Betenden befinden ... Fatwa über das Tragen einer Perücke als Ersatz für ein Kopftuch (12. Juni 2006, 09.42 Uhr) Die Perücke ersetzt kein Kopftuch und darf beim Beten nicht aufgesetzt werden ... Fatwa über die Lüge (11. März 2006, 02.07 Uhr) Lügen ist in Ausnahmesituationen erlaubt ... Fatawa zur Rotation der Sonne (30. November 2005, 11.20 Uhr) Alle Fatawas bezeugen, dass die Sonne keine feste Position im Weltall besitzt ... Fatwa über das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts (23. August 2005, 11.55 Uhr) Frauen dürfen keine Hosen und Hemden von Männern tragen ... Fatwa über die Hinrichtung für vom Islam abgefallene Menschen (20. Juli 2005, 10.28 Uhr) Tötung des "Abgefallenen" ist eine "Bewahrung" der Menschenrechte Fatwa über den Gehorsam der Ehefrau gegen ihren Ehemann (22. Juni 2005, 08.35 Uhr) Der Fluch der Engel droht der sexuell ungehorsamen Frau ... Fatwa zur Zwischenheirat mit einem Scheinehemann zur Legalisierung der Wiederaufnahme einer Ehe (14. Juni 2005) Ist es legal, den "Zwischenehemann" zu beschimpfen? ... Fatwa: Islam befürwortet öffentliche Auspeitschung als Abschreckung (30. März 2005) Von Scheich Tantawi, der höchsten sunnitischen Autorität Ägyptens, gegen Gefängnisstrafe Fatwa zum Verbot der Beschimpfung von Flöhen (10. September 2007) Flöhe wecken Muslime zum Morgengebet durch einen Biss ... http://islaminstitut.de/Fatawa-Archiv.39.0.html

18.11.07 00:33, des

quatsch!

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