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Kassel / Frankfurt / Hamburg / Berlin | 30.08.2009 | druckansicht

Zum Antikriegstag: "Der Welt den Frieden erklären"

Zum bevorstehenden Antikriegstag ("Weltfriedenstag") und den Aktionen von Friedensbewegung und Gewerkschaften erklärte der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag Peter Strutynski:  Mit über 200 Veranstaltungen in mehr als 150 Städten erinnern Friedensbewegung und Gewerkschaften in diesen Tagen an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren. Die Formen des Gedenkens und Mahnens sind vielfältig: Sie reichen von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen über Gedenken mit Kranzniederlegungen oder Mahnwachen bis zu Informationsständen und anderen Aktionen auf der Straße (einschließlich Demonstrationen und Kundgebungen). Die meisten Veranstaltungen finden direkt am 1. September statt.*
Am frühesten müssen die Friedensaktivisten und Gewerkschafter/innen in Kassel aus dem Bett: Die dortige Gedenk- und Mahnveranstaltung beginnt bereits um 5 Uhr 45 Uhr im Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Hintergrund: "Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen!", sagte Adolf Hitler am 1.9.1939 im Reichstag. Am Abend zuvor hatten SS-Leute in Zivil den Sender Gleiwitz "überfallen" und behauptet, es habe sich um einen Angriff von Polen gehandelt. Dies war der inszenierte propagandistische Anlass zur Auslösung des verheerendsten Krieges der Weltgeschichte.
 
Der Bundesausschuss Friedensratschlag, ein Bündnis zahlreicher Basisfriedensinitiativen im ganzen Land, begrüßt die Erklärung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zum diesjährigen Antikriegstag. Entschiedener als in den Jahren davor wendet sich der DGB gegen die deutsche Beteiligung am Afghanistankrieg und fordert die "schnellstmögliche" Beendigung des Bundeswehreinsatzes. Damit stellt sich der DGB nicht nur bewusst an die Seite der Friedensbewegung, sondern verleiht auch der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung eine wichtige Stimme, die nach zahlreichen Meinungsumfragen ebenfalls für den Abzug aus Afghanistan ist.
 
Begrüßt wird auch die klare Positionierung der Gewerkschaften gegen Rechts. "Alte und neue Nazis haben keinen Platz in unserem Land. Der DGB fordert mit allem Nachdruck ein Verbot der NPD", heißt es im DGB-Aufruf. Dies schließt aktives Engagement gegen rechtsradikale Aufmärsche ein, bei denen die Geschichte umgeschrieben und die deutsche Verantwortung für die 55 Millionen Kriegstoten geleugnet wird. Die Mahnung der Überlebenden der Konzentrationslager: "Nie wieder Krieg - nie wieder Faschismus!" ist heute Verpflichtung für jeden Demokraten.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Menschen eine "neue Welt des Friedens und der Freiheit" erhofft. Eine solche Welt ist aber nur möglich, so heißt es in der Erklärung des "Friedensratschlags", "wenn der zunehmenden Militarisierung der internationalen Politik, dem skrupellosen Wettlauf um Ressourcen und der schamlosen Ausplünderung der Dritten Welt ein Riegel vorgeschoben wird." (Die Erklärung "Die Lehren für die Nachgeborenen" im Anhang als pdf-Datei.) In der Erklärung findet sich die "Agenda" der Friedensbewegung in einem Satz zusammengefasst: "Frieden wird es nur geben, wenn wir die Soldaten aus Afghanistan zurückziehen, wenn wir keine Waffen mehr an Kriegsparteien exportieren, wenn wir dafür sorgen, dass die restlichen US-Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden, wenn wir aus der NATO austreten, wenn wir die Militarisierung der Europäischen Union nicht zulassen und wenn die deutsche Außenpolitik auf Militär und Gewalt gänzlich verzichtet."
 
Der Aufruf aus der Friedensbewegung schließt mit den Worten: "70 Jahre nach Beginn des von Deutschland ausgehenden Zweiten Weltkrieges erklären wir der Welt nicht mehr den Krieg, sondern den Frieden."

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