„Der Vatikan-Korrespondent der Bild-Zeitung, Andreas Englisch, hat es schön auf den Punkt gebracht: Wie verletzt sich der Papst gefühlt hat, wie einsam, wie unverstanden, und keiner hat's gemerkt.“ Schramm im Flüsterton zu Priol: „Da können wir froh sein, dass er keinen Vater mehr hat, der Mitglied im Schützenverein ist.“
Mit diesem Sätzchen hätte das Kabarettisten-Duo eine Grenze überschritten. Eine meandernde, von Fall zu Fall und nach Laune zu ziehende Anstands-Grenze wohl. Oder schlicht die intellektuelle Grenze von Leseranwalt-Mandantschaft. Denn der Leseranwalt (und stellvertretender Chefredakteur) Anton Sahlender interpretiert: "Schramms geflüsterte Bemerkung verharmlost mit ihrem Bezug auf den Vater im Schützenverein einerseits einen schrecklichen Amoklauf und bringt andererseits den Papst in die Nähe des Amokläufers."
In Nähe zueinander bringt irgendwen oder was natürlich nur der Anwalt - und jeder andere Leser bzw. Zuschauer, der Nähen sehen mag. Es ist aber auch erlaubt, in Schramms Kommentar gerade Distanz zu sehen
Satire findet - wie übrigens auch Sex - im Kopf statt. Der Kabarettist oder Satiriker bietet Stimulantia an, für den Rest ist der Kunde selbst zuständig. Deshalb kann Satire keine Grenzen überschreiten, es können nur die Rezipienten Grenzen ziehen, etwas nicht oder so verstehen, dass es ihnen mehr als gewünscht Unwohlsein bereitet.
Man kann schließlich auch nicht den Schweinebraten dafür verantwortlich machen, wenn er in Kombination mit Klößen und Rotkohl ob der inkorporierten Menge zu Magenkrämpfen, Erbrechen, Fettleber und Herzinfarkt führt. Es ist nicht der Koch des Schweinebratens, der eine Grenze überschreitet ...




