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Grenze der Satire liegt schwer im Magen

"Satire soll sich bissig und – das ist durchaus gewollt – schmerzhaft mit Menschen und ihrem Handeln auseinandersetzen", doziert der Leser-Anwalt der Mainpost. "Satire darf aufblasen, überzeichnen und ist meistens ungerecht. Das sollte man ertragen können" Doch größer als dieses Satiregrundrecht ist das Aber. So macht es schließlich die Gesetzgebung der Politik vor. Man schreibt erstmal ein paar Sätze von Freiheit ins Grundgesetz, um dann auf tausenden von Grundgesetz-Artikeln , Gesetzen und Verordnungen das gigantische "Aber" auszubreiten. Einfacher wäre es natürlich zu schreiben: "Niemand darf irgendwas, soweit wir Politiker nicht etwas anderes bestimmt haben." Und das dürfte überschaubar wenig sein, spontan fällt mir sogar nichts ein. Darf man zuhause pupen? Es könnte das Kindswohl gefährden, eine Ehe zerrütten oder auch nur Schaden an gemietetem Eigentum verursachen. Pupsen ist sicherlich allenfalls in einer Grauzone erlaubt, die konstituierend nirgends schwarz auf weiß gefasst werden kann. So wie auch das Sterben allenfalls in medizinischen Grauzonen gestattet ist, mit eigenem Vertrag und viel Wegsehen und etwas Weglassen.
Der Leseranwalt der Mainpost jedenfalls hat sich für die bekannte Variante "grundsätzlich ja, aber" entschieden. Konkret abert er an einem Dialog von Urban Priol und Georg Schramm in der Anstalt herum, den er wie folgt zitiert:

„Der Vatikan-Korrespondent der Bild-Zeitung, Andreas Englisch, hat es schön auf den Punkt gebracht: Wie verletzt sich der Papst gefühlt hat, wie einsam, wie unverstanden, und keiner hat's gemerkt.“ Schramm im Flüsterton zu Priol: „Da können wir froh sein, dass er keinen Vater mehr hat, der Mitglied im Schützenverein ist.“

Mit diesem Sätzchen hätte das Kabarettisten-Duo eine Grenze überschritten. Eine meandernde, von Fall zu Fall und nach Laune zu ziehende Anstands-Grenze wohl. Oder schlicht die intellektuelle Grenze von Leseranwalt-Mandantschaft. Denn der Leseranwalt (und stellvertretender Chefredakteur) Anton Sahlender interpretiert: "Schramms geflüsterte Bemerkung verharmlost mit ihrem Bezug auf den Vater im Schützenverein einerseits einen schrecklichen Amoklauf und bringt andererseits den Papst in die Nähe des Amokläufers."

In Nähe zueinander bringt irgendwen oder was natürlich nur der Anwalt - und jeder andere Leser bzw. Zuschauer, der Nähen sehen mag. Es ist aber auch erlaubt, in Schramms Kommentar gerade Distanz zu sehen . Weil eben nicht jeder, der sich unverstanden fühlt und Zugang zu einer Waffe hat, zum Amokläufer wird.

Satire findet - wie übrigens auch Sex - im Kopf statt. Der Kabarettist oder Satiriker bietet Stimulantia an, für den Rest ist der Kunde selbst zuständig. Deshalb kann Satire keine Grenzen überschreiten, es können nur die Rezipienten Grenzen ziehen, etwas nicht oder so verstehen, dass es ihnen mehr als gewünscht Unwohlsein bereitet.
Man kann schließlich auch nicht den Schweinebraten dafür verantwortlich machen, wenn er in Kombination mit Klößen und Rotkohl ob der inkorporierten Menge zu Magenkrämpfen, Erbrechen, Fettleber und Herzinfarkt führt. Es ist nicht der Koch des Schweinebratens, der eine Grenze überschreitet ...

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