Ob das, was Steffen Haubner und Oliver Domzalski für "Inside Titanic"
getextet haben, humor- und / oder gehaltvoll ist, wissen wir noch
nichts (ggf. folgt eine Rezension), doch die Begründung für die
Insertionsverweigerung passt zu dem, was wir von Titanic kennen: Man
wolle "eine Verwechslung mit der Redaktion ausschließen", sagt
laut taz

der amtierende Titanic-Chefredakteur Leo Fischer. Denn diejenigen, die
in jeder Ausgabe und fast täglich in ihrem Online-Ticker mit fremden
Identitäten spielen werden äußerst fuchsig, wenn das ein anderer mit
ihnen versucht. So hatte der Helgoländer Vorbote vor drei Jahren einige
Tucholsky-Texte

unter dem Rubrum "Gsella am Dienstag" veröffentlicht. Unter "Gsella am Donnerstag" reimt Fischers Vorgänger Thomas Gsella
bis heute

Manches
Gsella-Gedicht ist wirklich gut, anderes ist "Pipi-Kacka-Kram", um
nochmal die taz zu zitieren. Aber praktisch immer ist es ohne Zweifel
unter dem Satire-Niveau Kurt Tucholskys, was Thomas Gsella unterstrich,
indem er sich gegen die Nennung seines Namens in diesem Zusammenhang
wehrte. Mit
Kommentaren im Vorboten

(die - soviel zum Fair Play - bei titanic-magazin.de nicht möglich sind), mit E-Mails, per Telefon. Wir bedankten uns dafür
angemessen

.Leo Fischer, von dem es heißt, er kenne quasi alle bisher publizierten Titanic-Texte
aus dem Effeff

, hat die Frankfurter Neue Schule mit Bravour abgeschlossen.Wenn
Martin Sonneborn, sein Vor-Vorgänger als Chef, die Titanic fortwährend
als "lustig" bezeichnete, ließen wir ihm das als
Journalistenverarschung durchgehen. Aber wenn im Januar Leo Fischer in
einem Interview mit dem Tagesspiegel vom
lustigsten Heft der Welt

faselt, das die einzig lustige Nachrichtenquelle sei, dann muss man
doch mal bei den Journalisten-Kollegen anfragen, ob sie auch lesen
können. Zärtlich fragt Markus Ehrenberg Fischer im Interview: "Mal im
Ernst: Ist die Titanic nicht doch ein bisschen beliebig geworden?" (Um
sie etwas später, noch viel besser, mit Fernseh-Comedy zu
vergleichen...)Wenn die Titanic, mal im Ernst, regressfrei
irgendeine Auszeichnung für ihren Kahn beanspruchen darf, dann die als
langweiligstes Blatt der Welt. Im zum Zeitpunkt des Fischer-Interviews
aktuellen Heft gab es genau eine "lustige" Seite: die mit der Nummer
32, auf der nach den Regeln des Handwerks drei Menschen zum
Kapitalismus bekennen dürfen: "Davon haben wir nichts gewusst". Das war
zwar nicht überraschend, nicht innovativ, nicht sensationell, aber eben
lustig. Für Titanicer ist die Welt einfach zu ordnen: was sie
machen, ist großartig, witzig, innovativ, politisch, bedeutsam - alles
andere ist Tand. Das wird nirgends so deutlich wie in den "Briefen an
die Leser" und den Tageskommentaren. Jeder Tod ist
gut genug für einen Witz

, es sei denn, es hat einen vom eigenen Clan erwischt, - dann gibt man sich tatsächlich traurig. Von
PR-Aktionen verstehen einige Titanic-Leute unbenommen viel - vor allem
Sonneborn natürlich, womit aktuell nicht mehr die totgelaufene Partei
gemeint ist (erinnert sei eher an den
CDU-Schwarzgeld-Coup

).Sollte
sich auch hinter der Weigerung, die Buchanzeige für "Inside Titanic" zu
drucken, eine satirische PR-Strategie zeigen, wollen wir das später
gerne noch würdigen. Bis dahin aber rufen wir auf zum Boykott-Boykott:
Kauft "Inside Titanic".