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PR-Profis | 05.09.2009 | druckansicht

Satire-Magazin wirbt für Inside Titanic

Die "Titanic" hat die Veröffentlichung einer Buchwerbung auf der vierten Umschlagseite ihres Heftes abgelehnt. Der Carlsen Verlag wollte dort seinen Neuling "Inside Titanic" bewerben - Untertitel: " Meine 10.757 Tage als Gefangener der Redaktion". Der Gefangene, der da von seinem Leiden berichtet, ist "Hans Mentz", jenes auch in der Titanic stets präsente Pseudonym für "Humorkritik".
Ob das, was Steffen Haubner und Oliver Domzalski für "Inside Titanic" getextet haben, humor- und / oder gehaltvoll ist, wissen wir noch nichts (ggf. folgt eine Rezension),  doch die Begründung für die Insertionsverweigerung passt zu dem, was wir von Titanic kennen: Man wolle "eine Verwechslung mit der Redaktion ausschließen", sagt laut taz der amtierende Titanic-Chefredakteur Leo Fischer. Denn diejenigen, die in jeder Ausgabe und fast täglich in ihrem Online-Ticker mit fremden Identitäten spielen werden äußerst fuchsig, wenn das ein anderer mit ihnen versucht. So hatte der Helgoländer Vorbote vor drei Jahren einige Tucholsky-Texte unter dem Rubrum "Gsella am Dienstag" veröffentlicht. Unter "Gsella am Donnerstag" reimt Fischers Vorgänger Thomas Gsella bis heute Manches Gsella-Gedicht ist wirklich gut, anderes ist "Pipi-Kacka-Kram", um nochmal die taz zu zitieren. Aber praktisch immer ist es ohne Zweifel unter dem Satire-Niveau Kurt Tucholskys, was Thomas Gsella unterstrich, indem er sich gegen die Nennung seines Namens in diesem Zusammenhang wehrte. Mit Kommentaren im Vorboten (die - soviel zum Fair Play - bei titanic-magazin.de nicht möglich sind), mit E-Mails, per Telefon. Wir bedankten uns dafür angemessen .Leo Fischer, von dem es heißt, er kenne quasi alle bisher publizierten Titanic-Texte aus dem Effeff , hat die Frankfurter Neue Schule mit Bravour abgeschlossen.Wenn Martin Sonneborn, sein Vor-Vorgänger als Chef, die Titanic fortwährend als "lustig" bezeichnete, ließen wir ihm das als Journalistenverarschung durchgehen. Aber wenn im Januar Leo Fischer in einem Interview mit dem Tagesspiegel vom lustigsten Heft der Welt faselt, das die einzig  lustige Nachrichtenquelle sei, dann muss man doch mal bei den Journalisten-Kollegen anfragen, ob sie auch lesen können. Zärtlich fragt Markus Ehrenberg Fischer im Interview: "Mal im Ernst: Ist die Titanic nicht doch ein bisschen beliebig geworden?" (Um sie etwas später, noch viel besser, mit Fernseh-Comedy zu vergleichen...)Wenn die Titanic, mal im Ernst, regressfrei irgendeine Auszeichnung für ihren Kahn beanspruchen darf, dann die als langweiligstes Blatt der Welt. Im zum Zeitpunkt des Fischer-Interviews aktuellen Heft gab es genau eine "lustige" Seite: die mit der Nummer 32, auf der nach den Regeln des Handwerks drei Menschen zum Kapitalismus bekennen dürfen: "Davon haben wir nichts gewusst". Das war zwar nicht überraschend, nicht innovativ, nicht sensationell, aber eben lustig. Für Titanicer ist die Welt einfach zu ordnen: was sie machen, ist großartig, witzig, innovativ, politisch, bedeutsam - alles andere ist Tand. Das wird nirgends so deutlich wie in den "Briefen an die Leser" und den Tageskommentaren. Jeder Tod ist gut genug für einen Witz , es sei denn, es hat einen vom eigenen Clan erwischt, - dann gibt man sich tatsächlich traurig. Von PR-Aktionen verstehen einige Titanic-Leute unbenommen viel - vor allem Sonneborn natürlich, womit aktuell nicht mehr die totgelaufene Partei gemeint ist (erinnert sei eher an den CDU-Schwarzgeld-Coup ).Sollte sich auch hinter der Weigerung, die Buchanzeige für "Inside Titanic" zu drucken, eine satirische PR-Strategie zeigen, wollen wir das später gerne noch würdigen. Bis dahin aber rufen wir auf zum Boykott-Boykott: Kauft "Inside Titanic".

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