Endlich kommt jeder an (s)ein Ziel

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Aus solchen Urnen wird derzeit der neue aleatorische Fahrplan der DB auselost.

Die Deutsche Bahn stellt auf einen neuen, innovativen „Aleatorischen Fahrplan“ um, wonach es künftig dem Zufall überlassen bleiben soll, ob ein Zug fährt, wann und wohin. Darüber sprachen wir mit dem Oberbahnausen Fred Steinhauer, DB-Vorstand für Kundenmarodisierung:

HV: Herr Steinhauer, die Deutsche Bahn hat die größte Reform angekündigt, seit sie 1994 von Rot auf Blau bei den Bahnhofsschildern umgestiegen ist. Wie kam es zur Erfindung des „aleatorischen Fahrplans“, der vom Zufall terminiert werden soll?

Steinhauer: Auf vielen Strecken hat sich Routine eingeschlichen. Die Fahrgäste rechnen bereits nicht mit Pünktlichkeit ihres Zuges und stellen sich entsprechend darauf ein, fahren zwei Stunden früher, nehmen Zelt und Schlafsack mit oder lassen sich vorsorglich scheiden.

HV: Und das nimmt Ihnen den Spaß an Ihrem Job als oberster Fahrplaner?

Steinhauer: Um Spaß geht es dabei noch am wenigsten. Aber wenn der Fahrgast nicht mehr flucht, schreit, weint und verzweifelt zusammenbricht, müssen wir uns selbstkritisch fragen, ob unser Betriebsstörungsprogramm noch State of the Art ist.

HV: Wie kann man sich den aleatorischen Fahrplan vorstellen?

Steinhauer: Zunächst einmal werden sich die Zugführer strikt an ihre vorgegebenen Arbeitszeiten halten. Das hatte mir sehr gut gefallen, als im März 2001 ein Zugführer mitten im Tunnel den ICE anhielt und seine vorgeschriebene Pause machte.
So zuverlässig muss das künftig überall laufen, das werden wir rechnergestützt steuern. Und nach Schichtende ist Schluss, am nächsten Werktag geht es genau dort weiter – während des gesetzlichen Urlaubs natürlich nicht. Damit dürfte die Zugverteilung in Deutschland binnen einer Woche gegenüber heute deutlich aufgelockert sein.

HV: Welche Verantwortung kommt den Fahrdienstleitern zu, über die in letzter Zeit oft diskutiert wurde?

Steinhauer: Sicherheit und Geschwindigkeit standen sich bisher immer antagonistisch gegenüber. Wir steigern nun beides auf einmal, indem wir jeden Zug auf das erstbeste frei Gleis schicken.

HV: Kann der Kunde denn noch in irgendeiner Weise Einfluss darauf nehmen, wohin ihn sein Zug bringt?

Steinhauer: Aus Ihrer Frage spricht fortschrittsfeindlich-analoges Denken, gepaart mit einer gehörigen Portion Dogmatismus. Auf die Reiseroute hatten Fahrgäste noch nie Einfluss, auf ihr Reiseziel nur sehr bedingt. Einer sinnvollen Verteilung der Menschen in unserem Land waren Mitbestimmungsmöglichkeiten stets abträglich. Wir bauen in Stuttgart den schönsten Tiefbahnhof der Welt und alle fahren nach Hamburg und Berlin. Das ist onkologisch unsinnig.

HV: Wie kommt das Transportgut künftig nach Stuttgart?

Steinhauer: Der aleatorische Fahrplan ist da völlig unbestechlich und gerecht. Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit wird Stuttgart ebenso mit Fahrgästen bedacht werden wie Emden oder – das sage ich jetzt speziell für Sie – Rheinsberg.

HV: Lohnt sich für Reisewillige denn dann überhaupt noch die teure Fahrkarte von Garmisch-Partenkirchen nach Rügen, wenn sie auch damit rechnen müssen, nur bis Huglfing zu gelangen?

Steinhauer: Sie verstehen offenbar den Sinn von Deutschlands größtem Verkehrsunternehmen nicht! Wenn Sie von Garmisch nach Rügen wollen – auch wenn ich das Ansinnen nicht verstehe, aber bitte -, dann benötigen Sie doch wohl zunächst einen zu dieser Reise berechtigenden Fahrausweis, oder? Der aleatorische Fahrplan wird unverbrüchlich dafür sorgen, dass Sie dort auch irgendwann ankommen. Da können Sie jeden Rechenlehrer von der Volksschule fragen. Dass ein Ziel gar nicht erreicht wird, ist dann statistisch sogar unmöglich – ganz anders als heute.

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