Der geheime Plan hinter den Todesbussen

vgo-bushaltestelleSehr geehrte VGO-Presseleute,
seit Jahren grübeln und recherchieren wir, was Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) dazu treibt, zum Transport von Menschen Busse zu benutzen, die bis auf das Zigarettenfenster beim Fahrer hermetisch von der Außenwelt abgeschottet sind. Denn dass die darin verbauten popeligen „Klimaanlagen“ es nicht schaffen, mit Ölverbrennung die von der Sonne durch die geschlossenen Fenster geworfene Wärme wieder ins Freie zu befördern, ist nicht gerade Geheimwissen.

Was also treibt Sie, diese zum Lebendtransport völlig ungeeigneten Behältnisse zu nutzen? Die Hersteller jedenfalls versichern, die Idiotie, kein Fenster mehr öffnen zu können, sei eine Vorgabe der Kunden – also von Ihnen.

Früher haben wir mal gemutmaßt, es sei derselbe Spleen wie bei der Bahn und Sie hielten sich als triviale Schülerschubse gerne für eine straßengebundene Airline, von der Sie sich daher zunächst einmal die geschlossenen Fenster abgeguckt haben, einen kleinen Unterschied überfahrend: Die natürliche Umgebungstemperatur von Flugzeugen im Hochsommer beträgt 50 Grad unter dem Gefrierpunkt – die von deutschen Bussen liegt 80 Grad höher. So ein Spleen sollte sich aber irgendwann auswachsen.

Also ist es vielleicht einfach nur die Verachtung des Transportguts? Fahrgäste sind doof und Ihr Transportgut besteht überwiegend auch noch aus Schülern, da können einem schon mal komische Gedanken kommen. Doch letztlich trägt auch diese Theorie nicht weit: Zwar betritt kein Schüler mit Erreichen der Volljährigkeit jemals wieder einen VGO-Bus, doch dummerweise wachsen bislang neue doofe Schüler nach, morgens und mittags bleibt des Busfahrers Sehnsucht nach der Leerfahrt auch die nächsten Jahre unerfüllt.

Bliebe noch Unfähigkeit, die ja letztlich für vieles verantwortlich gemacht wird, gerade in Deutschland, wo von Kriegen bis AKW-Ein- und Ausstiegen schon so vieles durch Unfähigkeit vor die Hunde gegangen ist. Aber, gab uns letzt ein Praktikant zu denken, selbst bei der VGO gibt es mal ein aufgewecktes Azubienchen, das ausrufen würde: „Hey Folks, komme gerade aus einem unserer Sauna-Busse und ich habe eine Idee: wie wär’s, wie machen da Fenster zum Öffnen rein, so von wegen Luftzug, Schweiß, Verdunstungskälte, der ganze Kram, hatten wir mal in Bio!?“ Solch einer Innovation würde sich ein Unternehmen der Daseinsvorsorge niemals verschließen, zumal Sie sogar eine Oberlehrerin im Aufsichtsrat haben – also scheidet auch der Dilettantismus aus.

Was in Herrgotts Namen also lässt Sie an Tagen wie diesen menschliches Transportgut in Bratröhren verstauen? Ist es die Hoffnung auf einen PR-Erfolg („50 Schüler knapp vorm Hitzetod gerettet – Umsichtiger Busfahrer öffnet Tür“)

Oder läuft in der Wetterau in Wahrheit ein Langzeitexperiment in Nachfolge zu Stanley Milgram: Ab welchem Qualzustand des Transportguts verweigern Busfahrer den Dienst? Wann rebelliert das Transportgut selbst?

Busse mit Fenstern, die sich nicht öffnen lassen, die damit im Sommer grundsätzlich unbenutzbar sind und selbst mit Tiptop-2-Milliarden-Megawatt-Klimaanlage während einer Pinkelpause des Fahrers (dabei vorschriftsgemäß: Motor aus) zur Todeszone werden – welcher geheime Plan steckt hinter dem, was wir Unwissenden sonst nur für eine Ausgeburt des Schwachsinns halten können?

Wir sind im übrigen zuversichtlich, mit Ihrer Antwort auch klären zu können, welches oberhessische Humorverständnis sich hinter Ihren „Wartehäuschen“ verbirgt, denn sie folgen dem gleichen Zweckentwendungsprinzip wie Ihre Busse: so wie die Busse nicht zum Busfahren taugen, sind VGO-Wartehäuschen nicht zum Warten tauglich. Reine Glaskonstruktionen, die im Sommer keinerlei Schutz vor der Sonne bieten, gleichwohl aber jedes Schietwetter bis zum wartenden Transportgut durchlassen und die aus Naturschutzgründen stets ordentlich versifft sein müssen, weil es sonst zu übermäßigem „Vogelschlag“ käme.

Und wenn Sie mit unserer Anfrage, für die wir uns selbstverständlich auf § 3 HPressG beziehen, schon zum Geschäftsführer gehen müssen, habe wir noch eine Zusatzfrage:

Zunächst hielten wir es für ein Integrationsprojekt, dass Sie nicht-sprachfähige Busfahrer im Einsatz haben. Bis die dann doch alle bei Gelegenheit artikulationsfähig wurden, um Schüler zusammenzuscheißen. Aber eine irgendwie geartete Lautäußerung auf ein „Guten Morgen/ Guten Tag“ des einsteigenden Fahrgasts oder ein gelegentliches Hantieren mit den Floskeln „Bitte“ und „Danke“ haben wir leider bisher nicht beobachten können. Gehen wir recht in der Annahme, dass Oberhessisches Grummelschweigen als Gegenstück zur „Berliner Schnauze“ zum Weltkulturerbe erhoben werden soll und daher an der einzigen Schnittstelle zur Außenwelt nach Kräften beworben werden muss?

Mit freundlichen Grüßen,
Fred Steinhauer
Domestic Intelligence Service Helgoland

Ein Gedanke zu „Der geheime Plan hinter den Todesbussen

  1. Für Recherche-Freunde sei hier noch kurz der weitere Verlauf dokumentiert.

    1. Das Nahverkehrsunternehmen antwortete zunächst nicht.

    2. Auf erneute Nachfrage mit Verweis auf die Auskunftspflicht nach dem Landespressegesetz antwortete ein VGO-Sprecher u.a.:

    >>vielen Dank für Ihre Mails. Zuerst einmal dürfen wir festhalten, dass wir Ihnen
    nicht gem. § 3 HPressG auskunftspflichtig sind, da wir nicht Teil einer öffentlichen
    Verwaltung sondern privatrechtlich organisiert sind. […] Grundsätzlich beantworten wir allerdings keine Anfragen, die tendenziöse oder polemische Inhalte und
    pauschalisierende Urteile beinhalten. <>Ich habe den Vorstand des Zweckverbandes Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) über Ihre Beschwerde informiert und ihn unter Hinweis auf die einschlägige Rechtslage gebeten, in eigener Verantwortung die Bescheidung Ihres Auskunftsbegehrens nochmals zu überprüfen und Sie anschließend entsprechend zu unterrichten. Bitte erwarten Sie von dort weitere Nachricht.
    Im Übrigen darf ich Sie hinsichtlich einer eventuell beabsichtigten Durchsetzung Ihres Auskunftsanspruchs auf den Rechtsweg verweisen. <<

    4. Die Beantwortung unserer Fragen erfolgte dann umgehend (das Zähneknirschen dabei war allerdings bis zur Langen Anna hörbar…)

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